"... alsdann wird der Himmel mit Krachen vergehen, die Elementarstoffe werden sich in der Flammenglut auflösen, und die Erde wird mit allen Menschenwerken, die auf ihr sind, in Feuer aufgehen."
(2. Petrus 3,10)
Nun hat es also begonnen, unser unwiderruflich letztes Jahr auf Erden, und wir müssen sehen, was es außer - natürlich - dem Pflanzen von Myriaden von Apfelbäumchen für uns noch zu tun gibt. Lassen wir uns nicht beirren von den unvermeidlich auftretenden, nörgelnden Skeptikern, die uns mit von ihrem freudlos grauen Alltag verhärmten Gesichtern (die diese Haarspalter, Beckmesser und Erbsenzähler bis zum Schluss beruflich zu tragen verpflichtet sind) weismachen wollen, das Weltende anlässlich des auslaufenden Maya-Kalenders zu erwarten, sei in etwa so logisch, wie nach Ablauf einer Legislaturperiode mit dem Zusammenbruch der parlamentarischen Demokratie zu rechnen und sich auf Anarchie, Despotismus oder die Räterepublik einzustellen. Diesen Leuten fehlt offensichtlich selbst in Zeiten des Untergangs die nötige Kinderstube, um der nunmehr unvermeidlichen Apokalypse mit Anstand und Würde, gefasst ins Auge zu sehen. Und: machen wir uns doch nichts vor; so ein Weltuntergang hat doch auch schöne Seiten.
Zum Ersten und hauptsächlich, dass es nie wieder Weihnachten geben wird (keine überflüssigen Geschenke, keine brennenden Weihnachtsbäume, keine verschmorten Entenkeulen; kein Lametta, keine Plätzchen, kein Gesinge). Zum Zweiten: Deutschland kann niemals wieder Fußballweltmeister (noch nicht einmal - in der Billigvariante - einer der Herzen) werden. Das ist ein für alle Mal vorbei, verpasst und gegessen. Ferner brauchen wir uns endlich keine Sorgen mehr zu machen, wo wir den Atommüll, die FDP und Thomas Gottschalk nach Auslaufen ihres Zeitalters umweltschonend endlagern können. Schließlich enden auch die unzähligen schlaflosen Nächte, in denen wir über die deutschen Chancen beim Eurovision Song Contest, die Bademodenkollektion des nächsten Jahres und die berufliche Zukunft des Bundespräsidenten grübeln mussten. Schluss mit Polka und Polarforschung, Sozialdemokratie und Social Networking, niedlichen Katzenvideos und fiesen Diktatoren; mit Wagner-Festspielen, Autohäusern und Elvis-Imitatoren.
Obwohl wiederum auch hier die alte Binsenweisheit zutrifft: es war nicht alles schlecht. Aber sei's drum. Ein neues Jahr wird es nicht geben. Ende. Aus. Basta.
Gehet also hin, verjubelt alle Ersparnisse, versauft sämtliche Vorräte und liebet euch hemmungslos! Amen.
Und falls die Welt im Dezember doch nicht untergehen sollte, dann machen wir halt weiter wie bisher.
Klassiker des Tages:
"Es gibt Leute, die sich über den Weltuntergang trösten würden, wenn sie ihn nur vorhergesagt hätten." (Friedrich Hebbel, Tagebücher, 1845)