"Mutter Germanien zwischen Rhein und Elbe. Nahm ihre Wölfe wieder an die Brust. Und war die Hure der Konzerne wieder. Und zeigt ihre Scham im Neonlicht." (Heiner Müller)
Deutschland ist Jagdzeit, und die Jetztzeit ist Jagdzeit. Es herrscht ein Generationskrieg, ein furchterregender, ideologischer Krieg, gegründet auf Raub, Diebstahl und Gewalt. Ein Bunker in der Nähe einer kleinen Grenzstadt wird zur Wolfsschlucht von Jägern und Gejagten: Die einen sind besessen von der Angst, überfallen zu werden, in ihre Häuser ist eingebrochen worden. Nun wollen sie die Diebe wie Jagdwild erlegen und schiessen sich unversehens selbst an. Sie errichten imaginäre elektrische Zäune, legen Minenfelder und stellen Fuchsfallen auf, um den heiligen Bunker ihrer Vorväter zu schützen und die Fremden zu fangen. Die anderen, Fremden, sind die eigenen Söhne und Töchter. Sie haben den gleichen Ort ausgesucht, um sich zu versammeln, ihr gestohlenes Hab und Gut zu verstecken und in aller Ruhe Rache an allem Andersartigen zu üben. Schnell aber packt sie die Angst: Als sie beim Stehelen erwischt werden, schliessen sie „Frieden“ mit ihren Vätern, gleichen sich an und gliedern sich ein in die Gesellschaft mit ihrem „Dreck am Stecken“. Zugedeckt werden die Verbrechen – konkret und gleichnishaft. Man hört, wie der Bunker zugemauert wird. Eingeschlossen werden die Schwachen der Gesellschaft. Sie sind keine Haimons, keine Antigones. Sie sind Ausgestossene. Mutter Germanien hat ihre Grenzen geschlossen."